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Mittwoch, 26. Dezember 2007

Klaus Theweleit

Lecture Band "Übertragung, Gegenübertragung, Dritter Körper"
Nach Theweleit ist das "Geschichtsdenken" durch die "Gleichzeitig aller Zeiten" in den Medien ersetzt worden. Danach sind Studenten nicht dümmer als jene der vorigen Generation, sie haben aber einen anderen Verarbeitungsraster für Daten - alle Daten sind gleichzeitig erfassbar und nicht mehr historisch. Es gibt also keinen Wissensmangel, "nur völlig andere Felder und eine ganz andere Struktur" (profil Nr. 52 2007)

persons of no consequences

Bruno Preisendörfer schreibt in Le Monde diplomatique, Berlin über die Wiederkehr des Klassenbewusstseins als Vorurteil. Sehr interessant ist folgender Ansatz: Nicht jede Person, die arm ist, gehört zur Unterschicht. Entscheidend ist die Stellung in der Gesellschaft - persons of no consequences, sind "Leute, auf die es als Einzelne nicht ankommt. In der Mehrzahl sind sie so wichtig (als Konsumenten, als Publikum, als Wähler) wie in der Einzahl unwichtig, weil es jedem Einzelnen von ihnen an Geld, Macht und Wissen fehlt." Diese einzelnen Personen verstehen sich aber nicht mehr als eine Klasse. Die westeuropäische Arbeiterklasse als "historisches Subjekt" ist mit dem Aufstieg der Wohlfahrtsstaaten verschwunden. Gleichzeitig zeigt sich im Niedergang der Wohlfahrtsstaaten, dass zwar die Klasse verschwunden ist, nicht aber die Art von Leuten, die einst zu ihr gezählt wurden. Vielmehr versteht sich heute die Oberschicht als eine Klasse, die ihre Privilegien zu verteidigen hat. Dazu ein Beispiel, das ich im Profil 51 bei Elfriede Hammerl gelesen habe: "Eltern, die sich in Schulangelegenheiten starkmachen, agieren mehrheitliche als Vertreter einer Ständegesellschaft, von der sie profitieren, und sie führen einen beinharten Verteilungskampf". Nach Preisendörfer fährt heute die akademische Linke eine neue Strategie - die Theorien der Anerkennung und des Respekts. "Die Theorie des Respekts ermöglciht denjenigen, die sich zu ihm herablassen, ein gutes Gewissen ohne praktsich an den schlechten Verhältnissen, die eine solche Theorie erst nötig machen, zu rühren.
Ende Jänner 2008 wird das Buch "Das Bildungsprivileg" von Bruno Preisendörfer beim Eichborn Verlag erscheinen.

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